Tish Tang a Tang Creek

Foto by Wes Schreck
Foto by Wes Schreck

David Ernst berichtet:

 

Auf Wasserfall Mission in Humboldt County, Northern California

 

Wildberries Parklatz in Arcata, 7 Uhr: Es ist früh morgen und wir allen sind noch etwas verschlafen. Aber wir haben etwas Besonderes vor. Ein 21m hoher Wasserfall will befahren werden. Nachdem wir mit einer kleineren Gruppe bereits 3 Tage zuvor den Fall besichtigt haben wollen wir heute nicht zu spät aufbrechen!

 

Tish Tang Creek, 10 Uhr: Wir versuchen den Wasserfall von allen Seite zu besichtigen. Wir befinden uns in einem Indianer Reservat und die Gegend wird nur sehr wenig besucht. Trails gibt es nur sporadisch und die meiste Zeit schlagen wir uns durchs Gestrüpp. Alles ist nass und ich bin froh, dass ich meinen Trockenanzug schon angezogen habe. Der Creek bricht in einer engen Schlucht über 3 größere Stufen. Die Fälle mit 6 m, 2 1m und 4 m folgen direkt aufeinander. Allein zwischen den ersten beiden Stufen ist ein Kehrwasser.

Irgendwann einigen wir uns darauf, das wir mit einer Gruppe von 4 Paddlern weiter oberhalb an einer Brücke einzubooten. Die Kajaks direkt zu den Wasserfällen zu tragen ist uns zu mühsam.

 

Put-in, 12 Uhr: Endlich geht’s los! Nach einer Meile sind wir oberhalb des Abbruchs. Wir können die ganze Sache noch mal von der anderen Uferseite besichtigen und auch mit unserem 3-Mann Safety Team am Fuße der Fälle kommunizieren. Zu dritt wollen wir die Wasserfall-Kombination befahren, somit haben wir eine weitere Person für Safety nach der Eingangsstufe. Erik Boomer wagt sich als erstes die Fälle runter, schließlich will er ja Photos von unten schießen, wo seine Kamera deponiert ist. Bis auf die Tatsache, dass sein Paddel zerbricht hat er eine erfolgreiche Befahrung. Keegan Gardy lässt mir keine große Wahl und mit der Begründung, dass ich von weiter weg herkomme (er kommt aus Kanada vom Ottawa) muss ich auch als letzter ran. Keegan haut perfekt die Fälle runter. Jetzt stehe ich alleine oben.

 

Foto by Wes Schreck
Foto by Wes Schreck

Meine Anspannung steigt. Ich begeb’ mich zurück zu meinem Boot. Ein wenig dehnen. Alle Schnallen überprüfen. Die Spritzdecke schließen. Ins Wasser gleiten. Wasser ins Gesicht spritzen. Konzentration – und es geht los. Über die erste kleine Walze, dann von der Innenkurve auf die Außenkurve queren, die Geschwindigkeit mitnehmen und das Prallpolster durchstoßen, um nicht zurückgeworfen zu werden und seitlich in die gegenüberliegende Felswand zu fallen. Nun nur noch schön über den Hahnenschwanz rauskicken – BAAMM – saubere Landung. Mein Mystic gibt eine gute Figur ab, er ist schnell und trotzdem leicht zu korrigieren. Den ersten Drop hab ich hinter mir. Ins Kehrwasser und Konzentration. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Zwei-, dreimal durchatmen, allen Mut und Entschlossenheit zusammennehmen und raus aus dem Kehrwasser. Das Boot im richtigen Winkel positionieren und schon geht es über die Abrisskante. Schön nach vorne lehnen und das Paddel seitlich ans Boot pressen. Freier Fall und Einschlag!

 

Foto by Wes Schreck
Foto by Wes Schreck

Mir reißt es das Paddel aus den Händen, aber ich tauche richtig herum wieder auf. Der Pool zieht direkt auf den nächsten Fall zu, der auch noch teilweise von zwei Baumstämmen blockiert ist. Wo ist das Ersatzpaddel? Es kommt nicht zugeflogen, ich fokussiere den nächsten Abfall und paddel mit den Händen. Unten angekommen wird mein Boot unter die Baumstämme gedruckt und ich kentere. Handrolle rechts, Handrolle links – im luftdurchsetzten Wasser komm ich nicht hoch. Raus aus dem Boot. Schwimmend mit meinem Boot im Schlepptau komm ich ans Ufer. Die Paddel, das das mir aus den Händen gerissen wurde und das, das mir zugeworfen wurde (leider etwas spät) können wir auch bergen. Einzig einen geprellten Daumen hab ich zu vermelden.

 

Nach kurzer Pause machen wir uns zu dritt wieder auf den Bach. Es geht durch zwei, drei Klammen und zum Ende hin öffnet sich das Flussbett. Über Kiesbankschwälle mit Buschhindernissen und springenden Lachsen geht es Richtung Mündung. Nach 5 Kilometern kommen wir in den Trinity River. Noch 8 weiter Kilometer auf dem großen Fluss und wir sind an der Brücke in Hoopa angelangt. Die anderen erwarten uns schon und habe bereits ein Premium Bier besorgt, damit ich mein „Bootiebeer“ auch richtig genießen kann.

 

Beste Grüße aus Californien!

 

David

 

 

Über David:

David absolviert zur Zeit ein Auslandssemester in Arcata, California, U.S. Neben dem Studium macht er die Bäche der Region unsicher.

Zusammen mit Florian Petry produziert David unter dem Label 1596Media Filme (CORSICA whitewaterguide) und filmt auf Kajakveranstaltungen. Mehr dazu gibt es auf1596Media.com

Unterstützt wird David von Bliss Stick,°hf,denk.com und paddle-people

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Thomas Rettenbacher (Dienstag, 07 Dezember 2010 21:11)

    Gewaltig!!! - gratuliere!

    lg

    Thomas

  • #2

    Thomas Hinkel (Mittwoch, 08 Dezember 2010 07:59)

    jo david, fettes ding!